Mehrheitsgesellschaften und sexueller Wandel

Siebte Jahrestagung des Arbeitskreises Sexualitäten in der Geschichte

Datum: 24.-25.04.2026

Ort: Universität Düsseldorf

Mehrheitsgesellschaften und sexueller Wandel
Eine Kooperation des Arbeitskreises Sexualitäten in der Geschichte (AKSG) mit dem Institut für
Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Düsseldorf und dem Institut für
Forensische Psychiatrie und Sexualforschung der Universität Duisburg-Essen.


Reformerische Sexualwissenschaft begriff sich seit ihren Anfängen als ein Projekt, das es mit
den sexuellen Affekten und Aversionen der Mehrheitsgesellschaft – der „kompakten Majorität“
(Sigmund Freud) – aufzunehmen hatte. In besonderem Maße galt dies von der Wende vom 19.
zum 20. Jahrhundert an für die Durchsetzung von Grundrechten für sexuelle und geschlechtliche
Minderheiten. Tatsächlich wurde es in der angloatlantischen Welt erst ab den 1960er Jahren zum
liberalen Konsens, Mehr- und Minderheitenrechte dialektisch zu begreifen. Die Kritische
Sexualwissenschaft etwa berief sich in der Bundesrepublik darauf, sexualpolitische Solidarität
mit besonderem Akzent von den Rändern her zu denken. Inzwischen scheint dieser Konsens in
der Werteordnung des „Westens“ wieder zu erodieren. Längst ist eine legitimierende Berufung
auf dasjenige, was „Common Sense“ sei, ins Feld der Sexual- und Geschlechterpolitik
zurückgekehrt, um gegen Minoritäten in Anschlag gebracht zu werden.
Die siebte Jahrestagung des 2019 gegründeten Arbeitskreises Sexualitäten in der Geschichte
(AKSG) adressiert Fragen nach dem Wandel sexualpolitischer Legitimationsstrategien, die sich
mit Blick auf das Spannungsverhältnis von Mehrheit und Minderheit seit dem 19. Jahrhundert
beobachten lassen, und fragt nach der Bedeutung, die dieser Konstellation in der historischen
Erforschung von epistemischer Gewalt beizumessen ist. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei
auf wissenschaftshistorischen Zugängen liegen. Für die Keynote konnte mit Silke Fehlemann
(Dresden/Düsseldorf) eine Expertin für die Kulturgeschichte der Weimarer Republik und die
Erforschung von Politiken der Invektivität in der „Zwischenkriegszeit“ gewonnen werden.

Veranstalter:innen: Sebastian Bischoff (Universität Bielefeld), Michaela Clark (Universität
Düsseldorf), János Erkens (Universität Wuppertal), Johannes Fuß (Universität Duisburg-Essen),
Julia König (Universität Wuppertal), Richard Kühl (Universität Düsseldorf), Dagmar Lieske
(Berlin)